Schauspiel von Tennessee Williams
mit Johanna Christine Gehlen, Andreas Lichtenberger u.a.
„Endstation Sehnsucht“ gehört zu den meistgespielten Stücken auf deutschen Theaterbühnen. Kein Wunder, ist es doch ein psychologisch subtiles und ungemein packendes Melodram um menschliche Leidenschaften und Lebenslügen. „A Streetcar Namend Desire“, so der englische Originaltitel des Meisterwerks von Tennessee Williams, wurde 1947 in New York uraufgeführt und bald darauf von Elia Kazan mit Vivien Leigh und Marlon Brando in den Hauptrollen verfilmt. 1948 erhielt Williams dafür den Pulitzer-Preis.
Meisterhaft beschreibt Tennessee Williams in „Endstation Sehnsucht“ Stück das Aufeinandertreffen zweier Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Der Konflikt zwischen Blanche und Stanley ist der Konflikt zwischen Illusion und Wirklichkeit, zwischen weiblicher Poesie und männlicher Härte, zwischen Sehnsucht und Trieb.
Auf der Flucht vor der Vergangenheit besucht die sensible, psychisch labile Blanche DuBois ihre Schwester Stella in ihrer dürften Behausung in New Orleans. Stella ist mit dem polnischstämmigen Arbeiter Stanley Kowalski verheiratet, einem ungehobelten brutalen, jedoch körperlich ungemein attraktiven Mann, den die kultivierte Blanche unverhohlen verachtet. Stanley dagegen geht die affektierte, überreizte Art seiner Schwägerin schon bald auf die Nerven. Als Blanche versucht, einen Keil zwischen das Ehepaar zu treiben, geht er zum Gegenangriff über: Er deckt Blanches dunkle Vergangenheit auf und zerschlägt die heile Welt der Illusionen, in die sie sich geflüchtet hat.
Zudem hintertreibt er Blanches aufkeimende zarte Beziehung zu dem schüchternen Mitch und zerstört somit ihre letzte Hoffnung, ihr Leben wieder in der Realität zu verankern. In der brütenden Hitze von New Orleans eskaliert der Konflikt der beiden ungleichen Gegner schließlich und es kommt zur Katastrophe.
Tennessee Williams war stark von der Psychoanalyse Sigmund Freuds und C. G. Jungs beeinflusst und bemühte sich um die nuancierte Darstellung von Triebhaftigkeit, von Komplexen und der Einsamkeit des Menschen. Wegen der aufrichtigen Behandlung sexueller Probleme war er lange angefeindet und umstritten. Aus heutiger Sicht darf man ihn aber getrost zu den bedeutensten amerikanischen Dramatikern der Nachkriegsgeneration des Zweiten Weltkriegs zählen.